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Störfall Baytown
Versorgung der Verletzten

Ein Gutachten fand schwere Sicherheitsmängel in der TDI-Produktion in Baytown: (Download: SkinnerReport.pdf)

Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V.
Presse-Info vom 28. September 2006

Störfälle in Baytown (USA) und Limas (Frankreich) / gefährliche Gase ausgetreten

„BAYER muss Sicherheit von Anwohnern und Mitarbeitern gewährleisten!“

Im amerikanischen Baytown kam es am Dienstag in einer Fabrik des BAYER-Konzerns zu einer kilometerweit zu hörenden Explosion. Neben krebserregenden Chemikalien traten dabei mehr als 10 Tonnen des giftigen Gases Ammoniak aus. 22 Arbeiter mussten in einem Krankenhaus wegen Atemwegs-Beschwerden behandelt werden. Der Störfall ereignete sich in der TDI-Produktion des Werks.

TDI (Toluylendiisocyanat) ist ein hochtoxisches Vorprodukt von Polyurethanen, die in Dämmstoffen, Matrazen, Kühlschränken und Autositzen verwendet werden. Die Chemikalie reizt Augen und Atemwege sehr stark, nach längerer Einatmung sind Lungenödeme möglich. Die TDI-Produktion von BAYER steht seit langem in der Kritik, da hierbei große Mengen des im 1. Weltkrieg als Giftgas verwendeten Phosgen eingesetzt werden.

Der Unfall hatte sich am Dienstag um 11.30 Uhr Ortszeit ereignet, als ein mit TDI und Orthodichlorbenzol befüllter Reaktor explodierte. Mehrere Arbeiter mussten mit Sauerstoff versorgt werden, einer erlitt Verbrennungen. Andrea Murrow von der Texas Commission on Environmental Quality bezeichnete die ausgetretenen Gase als „extrem reizend für Bindehaut und Schleimhäute“. Schon 2004 war es in der TDI-Produktion des Werks, das sich 50km östlich von Houston befindet, zu einer großen Explosion mit einem darauf folgenden Brand gekommen. BAYER stellt die Chemikalie auch in Dormagen, Brunsbüttel und Caojing/China her.

Prof. Dr. Jürgen Rochlitz, Mitglied der Kommission für Anlagensicherheit beim Bundesumweltministerium: „Es wird Zeit, dass Bayer vor allem im Ausland das Sicherheitsmanagement einer eingehenden Prüfung unterzieht, damit endlich ein spürbarer Rückgang von Schadens- und Umweltereignissen eintritt. Dies gilt vor allem für die besonders kritischen Produktionsbetriebe wie die von TDI“.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren(CBG) ergänzt: „In Dormagen befindet sich die TDI-Produktion unter freiem Himmel – nur wenige hundert Meter von der Wohnbevölkerung entfernt. Ein Unfall wie in Baytown könnte verheerende Folgen haben. Wir fordern den Konzern auf, eine phosgenfreie Kunststoff-Produktion aufzubauen.“ TDI kann auch ohne den Einsatz von Phosgen hergestellt werden, BAYER hat das Verfahren jedoch nicht zur Produktionsreife entwickelt. Die CBG erinnert auch daran, dass es Anfang der 80er Jahre auf Landesebene ein Gesetzesvorhaben gab, gefährliche Betriebe schrittweise aus den Städten zu verlagern. BAYER stemmte sich mit allen Mitteln vor und hinter den Kulissen dagegen. Leider mit Erfolg. Die CBG fordert, dass die ursprüngliche Gesetzesabsicht endlich realisiert wird.

Ein weiterer Vorfall ereignete sich am vergangenen Donnerstag in einem französischen BAYER-Werk. In Limas (Rhône) erhitzten sich aus ungeklärten Gründen mehrere Tonnen des Pestizids Mancozeb. Es bestand Brand-Gefahr, zudem kam es zu starker Geruchsbildung. Insgesamt wurden 17,5 Tonnen des Fungizids in der Fabrik gelagert.

weitere Informationen:
Explosion at Bayer industrial park in Baytown
Artikel Unfall in Baytown im Februar 2004
Artikel Échauffement anormal de produit fongicide à l'usine Bayer CropScience