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Unfälle

18.02.06, Neuss-Grevenbroicher Zeitung

Chlor trat nach Brand aus

Es roch Freitag Vormittag deutlich nach Schwimmbad in Dormagen. Im Bayer-Chemiepark war gegen 8.35 Uhr und später noch einmal gegen 10.10 Uhr Chlorgas ausgetreten. 18 Mitarbeiter des Unternehmens mussten ärztlich behandelt werden.
Für einige Minuten wurden rund um den Chemiepark erhöhte Chlorwerte gemessen. Der Grund war ein Brand, der an einer Abluftleitung in einem Betrieb des Chemieparks ausgebrochen war. Die Ursache für das Feuer steht noch nicht fest, das Staatliche Umweltamt wurde eingeschaltet und ermittelt. Rund 40 Einsatzkräfte der Bayer-Berufsfeuerwehr waren im Einsatz. Die Produktion in dem betroffenen Betrieb von Bayer-Material-Science, in dem Chlor produziert wird, wurde sofort eingestellt.
Dennoch traten nach Auskunft des Unternehmens geringe Mengen chlorhaltiger Abluft aus. Auch nachdem das Feuer gelöscht war, entwich bei den Aufräumarbeiten gegen 10.10 Uhr noch einmal eine Restmenge des Gases, die von der Werksfeuerwehr mit einer Wasserwand niedergeschlagen wurde. 18 Mitarbeiter in einem Gebäude, das in der Nähe des Chlor-Produktionsanlage liegt, klagten über Übelkeit und Augenreizungen. Sie wurden in die ärztliche Abteilung des Chemieparks gebracht. "13 von ihnen waren gegen Mittag bereits wieder an ihrem Arbeitsplatz, die restlichen fünf kurze Zeit später", erklärte Jörg Brückner, Mitarbeiter der Bayer-Pressestelle.
Der Luftmesswagen des Chemieparks, der durch das Dormagener Stadtgebiet fuhr, ermittelte für etwa fünf Minuten leicht erhöhte Werte des Gases in der Luft. "Es wurde ein Grenzwert überschritten, bei dem nach Auskunft unserer Arbeitsmediziner Menschen noch acht Stunden lang ohne gesundheitliche Schäden arbeiten können", erläuterte Chemiepark-Pressesprecherin Kerstin Nacken. Auch die mobile Luftmess-Station der städtischen Feuerwehr Dormagen kontrollierte die Werte.
"Der Messwagen war ab etwa 9.15 Uhr für gut eine Stunde unterwegs und hat die Europastraße, den Bereich der Kindergärten in Rheinfeld und Zons abgefahren", sagt Stadtpressesprecher Harald Schlimgen. Er habe keine auf überhöhten Werte festgestellt. Für besorgte Bürger steht unter der Telefonnummer 02133/5199333 ein Beratungsservice von Bayer zur Verfügung.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung, 22. Februar 2006

Werkschutz protestiert im Internet

Die Mitarbeiter des Werkschutzes im Bayer-Chemiepark formieren ihren Widerstand. Bayer Industry Services (BIS) denkt als Betreiber des Chemieparks darüber nach, den Werkschutz abzuschaffen und durch einen privaten Sicherheitsdienst zu ersetzen.

Betroffen wären rund 70 Mitarbeiter. Vier von ihnen, Norbert Löffler, Andreas Jansen, Ingo Heit und Klaus Hebert-Okon, haben jetzt eine eigene Internetseite eingerichtet, auf der über die weitere Zukunft, aber auch Möglichkeiten diskutiert wird, sich gegen die Auflösung des Werkschutzes zu wehren.
Aktuell sorgt der Chlorgas-Unfall an einer Produktionsanlage im Chemiepark am vergangenen Freitag für Wirbel. Mitarbeiter des Werkschutzes klagen darüber, dass ihre Arbeit in der offiziellen Stellungnahme des Unternehmens nicht erwähnt worden ist. Die Arbeit der Werkfeuerwehr werde beschrieben, es sei auch die Rede davon, dass 18 Mitarbeiter wegen Übelkeit und Augenreizungen behandelt werden mussten.
Davon, dass der Werkschutz schnell reagiert und so weitere Verletzungen verhindert habe, sei jedoch nicht die Rede gewesen, beklagen die Mitarbeiter in ihren Beiträgen in dem Internet-Forum. "Man gewinnt den Eindruck, dass das System hat", erklärte am Dienstag ein Werkschützer gegenüber der NGZ, der seinen Namen nicht nennen wollte. Offenbar wolle BIS auf diese Weise die Bedeutung des Werkschutzes für die Sicherheit im Chemiepark herunterspielen.
Diesen Vorwurf weist BIS-Pressesprecherin Kerstin Nacken zurück. "Wir bemühen uns, die Öffentlichkeit und die Mitarbeiter im Werk bei einem solchen Zwischenfall so schnell wie möglich zu informieren", sagt sie. Entsprechend kurz gehalten seien die Meldungen verfasst. Deshalb könne dort nicht jede Einzelaktion aller am Einsatz Beteiligten detailliert aufgeführt werden. Niemand habe den Werkschutz bewusst übergangen.
Ziel des Internetforums sei in erster Linie, sich ein Meinungsbild in den Reihen der Werkschützer zu machen, erklären die Initiatoren auf der Homepage. Damit der Betriebsrat Verhandlungen mit der BIS-Spitze aufnehmen könne, müsse er wissen, welche Vorstellungen die Betroffenen überhaupt hätten.
Das Ziel der meisten Kollegen sei es, dem Konzern anzugehören, formulieren die Forum-Betreiber das Ergebnis der ersten Gespräche. Jetzt sollen sich die Mitarbeiter konkret dazu äußern, ob ihnen ihr Gehalt oder eine Beschäftigungsgarantie wichtiger ist, ob sie eher bereit sind, auf Urlaubsgeld zu verzichten oder mehr Stunden in der Woche zu arbeiten.
Wer Sparvorschläge hat, soll sie an die Initiatoren des Forums schicken, damit diese an den Betriebsrat weitergeleitet werden können. Auch die Mitarbeiter von der Werkfeuerwehr werden aufgefordert, ihre Sicht der Dinge beizusteuern.
Heit, Löffler, Jansen und Hebert-Okon betonen, dass die Homepage keine offizielle Seite von Bayer-Industry-Services ist. Das macht auch Kerstin Nacken deutlich. "Dieses Forum ist die Privatangelegenheit der Mitarbeiter,", sagt sie, "solange keine Sicherheitsinteressen des Chemieparks berührt sind."
Von Petra Schiffer